Kurz gesagt: In Costa Rica leben einige Raupen mit Gifthaaren oder Brenndornen – allen voran die flauschige Puss-Raupe. Schon eine leichte Berührung brennt stundenlang. Die wichtigste Regel: Raupen nur anschauen, nie anfassen – egal wie harmlos sie aussehen.
Giftige Raupen in Costa Rica sind kein Grund zur Sorge, aber ein guter Grund zur Vorsicht. Das Land ist reich an Schmetterlingen und Nachtfaltern – und damit auch für ihre Raupen. Die allermeisten sind völlig harmlos und spannend zu beobachten. Einige wenige haben sich aber mit Gifthaaren oder Brenndornen gegen Vögel und andere Fressfeinde gewappnet. Weil sie auf Augenhöhe an Blättern, Ästen und Geländern sitzen, kommen gerade Kinder und neugierige Fotograf*innen mit ihnen in Berührung.
Bekannte giftige Raupen in Costa Rica
Puss-Raupe (Flanellmotte, Megalopyge)
Die Puss-Raupe (Megalopyge opercularis) und ihre Verwandten aus der Familie der Flanellmotten sehen aus wie ein kleines Kuscheltier: ein Wattebausch, ein Stück Fell oder eine Haarlocke in Weiss, Beige, Braun oder Orange. Gerade deshalb werden sie oft gestreichelt. Doch unter den weichen Haaren verbergen sich kurze, hohle Giftstacheln. Sie gehören zu den schmerzhaftesten Raupen überhaupt – der Schmerz strahlt oft in den ganzen Arm aus und kann viele Stunden anhalten. Aus der Raupe schlüpft später ein ebenso pelziger, gelb-brauner Nachtfalter, wie er oben im Bild zu sehen ist.
Schneckenspinner-Raupen (Acharia u. a.)
Die Schneckenspinner sind enge Verwandte der nordamerikanischen «Saddleback»-Raupe. Ihre Raupen sind gedrungen, oft auffällig grün, gelb oder orange gefärbt und tragen Büschel aus Brenndornen. Die hellen Farben sind eine Warnung an Fressfeinde. Man findet sie im Regenwald und in Gärten auf der Unterseite von Blättern – also genau dort, wo man beim Wandern gern hingreift.
Pfauenspinner-Raupen (Automeris)
Die Raupen der Pfauenspinner tragen verzweigte, meist hellgrüne Dornen mit Giftdrüsen. Sie leben oft in Gruppen auf Blättern und an Stämmen. Ein Kontakt fühlt sich an wie ein Brennnesselstich, nur deutlich stärker und länger anhaltend. Aus ihnen werden später prächtige Falter mit grossen Augenflecken auf den Hinterflügeln.
Lonomia-Raupen
Die Raupen der Gattung Lonomia, ebenfalls aus der Familie der Pfauenspinner, kommen von Mittel- bis Südamerika vor. Sie sind braun-grün gemustert, gut getarnt und sitzen tagsüber oft in Gruppen an Baumstämmen. Ihr Gift kann die Blutgerinnung stören. Schwere Vergiftungen sind vor allem aus Brasilien und Venezuela bekannt, in Costa Rica sind sie sehr selten. Nach einem Kontakt sollten Sie trotzdem sofort ärztliche Hilfe holen.
Typische Symptome bei Berührung
- Starke, brennende Schmerzen und Hautreizungen, die oft in Arm oder Bein ausstrahlen
- Juckreiz, Rötungen, Quaddeln oder Blasenbildung, manchmal ein Muster aus kleinen Punkten
- Schwellungen, in schweren Fällen auch Reizungen der Schleimhäute, Übelkeit, Kopfschmerzen oder allergische Reaktionen
Meist lassen die Beschwerden nach einigen Stunden nach. Gelangen Härchen in die Augen, spülen Sie gründlich mit Wasser und lassen Sie die Augen ärztlich kontrollieren.
Erste Hilfe
Bewährt hat sich ein einfacher Trick: Kleben Sie Klebeband auf die betroffene Stelle und ziehen Sie es mehrmals ab – so entfernen Sie die feinen Härchen. Danach mit Wasser und Seife waschen, kühlen und ein Antihistaminikum oder ein Schmerzmittel nehmen. Nicht reiben, sonst brechen die Haare tiefer in die Haut ein. Bei Atemnot oder starker Schwellung im Gesicht wählen Sie sofort den Notruf 911.
Die wichtigsten Sicherheitsregeln
- Nicht berühren: Egal wie flauschig oder interessant eine Raupe aussieht – Anfassen sollten Sie im Dschungel grundsätzlich vermeiden. Anschauen und fotografieren ist erlaubt.
- Kleidung anpassen: Bei Wanderungen durch den Regenwald feste Schuhe und lange Kleidung tragen.
- Nicht ungesichert greifen: Vorsicht beim Festhalten an Ästen, Stämmen und Geländern von Stegen und Hängebrücken – Raupen halten sich oft genau dort auf.
- Kinder aufklären: Erklären Sie Kindern, dass flauschige Raupen nicht gestreichelt werden dürfen.
Mit diesen einfachen Regeln bleibt die Begegnung mit Costa Ricas Raupen ein Naturerlebnis. Auf geführten Wanderungen zeigen Ihnen die Guides gern, welche Raupen harmlos sind – und welche Sie lieber aus sicherer Entfernung bewundern.


