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Tänzerinnen in traditionellen Trachten mit weit schwingenden Röcken bei einem Fest
Reisetipps

Land & Leute in Costa Rica

Gallo Pinto, «Pura Vida» und bemalte Ochsenkarren – so leben die Ticos.

Costa Rica auf einen Blick

Costa Rica ist mit rund 51 000 km² gut ein Viertel grösser als die Schweiz und zählt gut fünf Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. Zwischen Karibik und Pazifik liegen Vulkane, Nebelwälder, Regenwälder und Trockenwälder. Das Land gilt als eines der stabilsten und sichersten Mittelamerikas und wird oft «die Schweiz Mittelamerikas» genannt: Es hat seit 1948 keine Armee, investiert in Bildung, Gesundheit und Naturschutz und gewinnt seinen Strom fast vollständig aus Wasser, Wind, Sonne und Erdwärme.

  • Hauptstadt: San José, im Zentraltal auf rund 1150 m über Meer
  • Sprache: Spanisch; an der Karibikküste auch Kreolisch-Englisch
  • Staatsform: demokratische Präsidialrepublik
  • Höchster Berg: Cerro Chirripó, 3820 m
  • Währung: Colón (CRC), US-Dollar weit verbreitet – mehr unter Geld und Währung
  • Weitere Fakten: im Steckbrief Costa Rica

Geschichte in Kürze

Vor der Ankunft der Europäer lebten im heutigen Costa Rica zahlreiche indigene Völker. 1502 erreichte Christoph Kolumbus auf seiner vierten Reise die Karibikküste bei Limón – der Name «Reiche Küste» geht auf den Goldschmuck zurück, den die Einheimischen trugen. Weil es kaum Gold und wenige Arbeitskräfte gab, blieb das Land für die spanische Krone eine abgelegene Provinz. Die Siedler bewirtschafteten meist kleine eigene Höfe; Grossgrundbesitz wie in den Nachbarländern entstand kaum. Viele Historiker sehen darin eine Wurzel der bis heute ausgeprägten Gleichheits- und Demokratiekultur.

Nach der Unabhängigkeit 1821 brachte der Kaffee im 19. Jahrhundert Wohlstand: Mit den Erlösen entstanden Strassen, Schulen und das prachtvolle Nationaltheater in San José. Für den Bau der Eisenbahn an die Karibik kamen gegen Ende des Jahrhunderts Arbeiter aus Jamaika ins Land, und an der Küste wuchsen riesige Bananenplantagen. Nach einem kurzen Bürgerkrieg 1948 schaffte Präsident José Figueres die Armee ab; die Verfassung von 1949 brachte das Frauenstimmrecht und gilt bis heute. 1983 erklärte sich Costa Rica für dauerhaft neutral, und 1987 erhielt Präsident Óscar Arias den Friedensnobelpreis für seinen Einsatz für Frieden in Mittelamerika.

Die Ticos – Bevölkerung und Herkunft

Die Costa-Ricaner nennen sich selbst «Ticos» und «Ticas». Die grosse Mehrheit hat spanische Vorfahren oder ist gemischter europäischer und indigener Herkunft; dazu kommen Nachfahren von Einwanderern aus Italien, Deutschland, England, China und dem Libanon. Gut die Hälfte der Bevölkerung lebt im Zentraltal rund um San José, Alajuela, Heredia und Cartago.

An der Karibikküste rund um Limón, Cahuita und Puerto Viejo prägen die Nachfahren der jamaikanischen Eisenbahn- und Plantagenarbeiter das Leben: Hier hören Sie Calypso und Reggae, sprechen viele Menschen Kreolisch-Englisch, und gekocht wird mit Kokosmilch, etwa «Rice and Beans» oder «Rondón». Erst mit der Verfassung von 1949 erhielten sie die vollen Bürgerrechte und die Freiheit, sich im ganzen Land niederzulassen.

Rund 2 bis 3 Prozent der Bevölkerung gehören einem der acht indigenen Völker an – Bribri, Cabécar, Ngäbe, Boruca (Brunka), Térraba, Huetar, Maleku und Chorotega. Sie leben vor allem in Schutzgebieten in der Talamanca-Bergkette und im Süden des Landes und bewahren eigene Sprachen, Handwerk und Bräuche. Mehrere Gemeinschaften bieten Besuche an, bei denen Sie Kakaoverarbeitung, Heilpflanzen oder Maskenschnitzerei kennenlernen – wir vermitteln Ihnen gerne einen respektvollen Besuch. Daneben leben in Costa Rica viele Menschen aus Nicaragua und anderen Nachbarländern sowie Rentnerinnen und Rentner aus Nordamerika und Europa.

Sprache: Spanisch mit «Pura Vida»

Landessprache ist Spanisch. Die Ticos sprechen deutlich und eher langsam – Costa Rica gilt deshalb als ideales Land, um Spanisch zu lernen, zum Beispiel bei einer unserer Sprachreisen. Typisch ist die höfliche Anrede «usted» (Sie), die viele sogar in der Familie und mit Kindern verwenden. Gern werden Wörter verkleinert: Aus «chico» wird «chiquitico» – daher der Spitzname «Tico». Untereinander nennen sich junge Leute «mae» (etwa «Kumpel»), und auf «Danke» antwortet man oft mit «con mucho gusto» (sehr gern).

Das wichtigste Wort ist aber «Pura Vida» – wörtlich «pures Leben». Es bedeutet «Hallo», «Danke», «alles gut» und «tschüss» zugleich und steht für eine gelassene, dankbare Lebenshaltung. In Touristengebieten kommen Sie mit Englisch gut zurecht; ein paar Worte Spanisch öffnen aber viele Türen und werden herzlich aufgenommen.

Religion und Feiertage

Die Mehrheit der Ticos ist römisch-katholisch, und der Katholizismus ist laut Verfassung Staatsreligion – eine Besonderheit in Amerika. Daneben wachsen evangelische Gemeinden stark, und an der Karibikküste sind viele Menschen protestantisch. Religiöse Feste werden mit viel Hingabe gefeiert. Jedes Jahr am 2. August pilgern Hunderttausende zu Fuss zur Basilika der Virgen de los Ángeles in Cartago, der Schutzpatronin des Landes.

Für Reisende wichtig: In der Karwoche (Semana Santa) und zwischen Weihnachten und Neujahr sind die Ticos selbst unterwegs. Strände und Hotels sind dann ausgebucht, Behörden und viele Geschäfte geschlossen, und am Gründonnerstag und Karfreitag wird vielerorts kein Alkohol verkauft. Weitere Feiertage sind unter anderem der 11. April (Juan Santamaría), der 1. Mai, der 25. Juli (Anschluss von Guanacaste), der 2. August, der 15. August (Muttertag), der 15. September (Unabhängigkeitstag) und der 1. Dezember (Tag der Abschaffung der Armee). Planen Sie Ihre Reise in diesen Zeiten frühzeitig.

Politik, Bildung und Umwelt

Costa Rica ist eine stabile Demokratie: Alle vier Jahre wählen die Bürgerinnen und Bürger ab 18 Jahren Präsident und Parlament; Wählen ist offiziell Pflicht. Statt in eine Armee fliesst das Geld in Schulen und Gesundheit. Der Schulbesuch ist kostenlos und obligatorisch, die Alphabetisierungsrate gehört zu den höchsten Lateinamerikas, und die staatliche Universität von Costa Rica ist fast kostenlos. Das öffentliche Gesundheitssystem (Caja) steht allen Versicherten offen.

Umweltschutz ist Teil der nationalen Identität. Rund ein Viertel der Landesfläche steht unter Schutz, Kinder lernen schon in der Schule, wie wichtig Wald und Wasser sind, und Mülltrennung ist vielerorts selbstverständlich. Der Strom stammt zu fast 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen, und bis 2050 will das Land ganz ohne fossile Energie auskommen. Mehr über die geschützten Gebiete finden Sie bei den Nationalparks.

Lebensart: «Hora Tica» und die Blaue Zone

Das Leben verläuft in Costa Rica etwas langsamer als bei uns. Familie und Freunde stehen im Mittelpunkt, man feiert gern und nimmt sich Zeit. Mit der Pünktlichkeit nehmen es die Ticos weniger genau – die «hora tica» (Tico-Zeit) bedeutet, dass ein Termin auch einmal eine halbe Stunde später beginnt. Bei Ausflügen und Transfers sind Guides und Fahrer*innen aber in aller Regel zuverlässig.

Die Halbinsel Nicoya in Guanacaste gehört zu den fünf «Blauen Zonen» der Welt – Regionen, in denen überdurchschnittlich viele Menschen sehr alt werden. Als Gründe gelten einfache Ernährung mit Mais, Bohnen und Früchten, viel Bewegung, enge Familienbande und eine positive Lebenseinstellung. Die Lebenserwartung in Costa Rica liegt insgesamt auf dem Niveau vieler europäischer Länder.

Essen & Trinken

In den grösseren Städten finden Sie Restaurants mit französischer, italienischer, mexikanischer, chinesischer und nordamerikanischer Küche. Die einheimischen Spezialitäten gibt es in den «Sodas», kleinen, günstigen Restaurants:

  • Casado – Reis, Bohnen, Fleisch oder Fisch, Kochbananen und Salat: das klassische Mittagessen
  • Gallo Pinto – Reis mit Bohnen, das typische Frühstück
  • Olla de Carne – Suppe mit Rindfleisch, Kochbananen und Gemüse
  • Sopa Negra – Suppe aus schwarzen Bohnen mit Ei
  • Picadillo – fein gehacktes Gemüse mit Fleisch
  • Snacks wie Gallos (gefüllte Tortillas), Empanadas und Pan de Yuca

Erfrischende «Refrescos naturales» werden aus frischen Früchten mit Wasser oder Milch gemixt; beliebt sind auch Horchata (Reismehl und Zimt) und Cebada (Gerste). Der Kaffee ist ausgezeichnet und günstig. An der Karibikküste kocht man mit Kokosmilch und scharfen Gewürzen, im Zentraltal eher mild – Gallo Pinto mit der Würzsauce «Salsa Lizano» gehört aber überall auf den Tisch.

Trinkgeld

Restaurantrechnungen enthalten von Gesetzes wegen 10 % Servicezuschlag und 13 % Mehrwertsteuer. Ein zusätzliches Trinkgeld für guten Service ist willkommen, aber nicht Pflicht. Taxifahrer*innen erwarten kein Trinkgeld; für Guides, Fahrer*innen, Gepäckträger*innen und Zimmerpersonal ist ein Trinkgeld üblich.

Sitten & Gebräuche

Zur Begrüssung gibt man sich die Hand. Höflichkeit ist wichtig: Männer werden gern mit «Don», Frauen mit «Doña» angesprochen. Für eine Einladung bedankt man sich mit einer kleinen Aufmerksamkeit. Legere Kleidung ist überall akzeptiert, Badekleidung gehört aber an den Strand. Und überall hören Sie «Pura Vida» – als Gruss, Dank und Lebensgefühl.

Die Ticos sind herzlich und hilfsbereit, aber weniger direkt als wir. Kritik äussert man besser freundlich und indirekt; wer laut wird, erreicht meist wenig. Fragen Sie nach dem Weg, erhalten Sie fast immer eine Antwort – im Zweifel lieber zwei, drei Personen fragen. Bevor Sie Menschen fotografieren, fragen Sie kurz um Erlaubnis.

Verhaltenstipps für Reisende

In der Natur

  • Tiere nur beobachten, nie füttern: Gefütterte Affen und Nasenbären werden aufdringlich, erkranken und verunfallen an Strassen.
  • Nichts anfassen: Manche Frösche, Raupen und Pflanzen sind giftig. Und Reste von Mückenschutz und Sonnencreme auf der Haut können empfindliche Tiere wie Frösche schädigen.
  • Nichts mitnehmen: Muscheln, Korallen, Pflanzen und Edelhölzer sind geschützt und können an der Grenze beschlagnahmt werden.
  • Auf den Wegen bleiben und keinen Abfall zurücklassen – in vielen Nationalparks sind Einwegplastik und Esswaren verboten. Mehr dazu bei der Tierwelt.

Mit dem Mietwagen unterwegs

  • Es gilt Rechtsverkehr, die Regeln ähneln unseren. Im Grossraum San José ist der Verkehr dicht, ausserhalb deutlich ruhiger.
  • Rechnen Sie mit Schlaglöchern, Naturstrassen und Flussdurchfahrten – für viele Strecken ist ein Allradfahrzeug sinnvoll. Die realistischen Zeiten finden Sie bei den Fahrzeiten und Distanzen.
  • Fahren Sie möglichst bei Tageslicht; es wird bereits gegen 18 Uhr dunkel, und in den Bergen kommt oft Nebel auf.
  • Äste oder Zweige auf der Fahrbahn sind ein Warnzeichen für Pannen, Schlaglöcher oder Erdrutsche.
  • Tempolimiten einhalten – es wird kontrolliert. Und ausserhalb der Städte rechtzeitig volltanken.

Alles zu Mietwagen und Versicherungen finden Sie bei den Mietwagenrundreisen, Tipps zur Sicherheit unter Sicherheit in Costa Rica.

Einkaufen

Typische Mitbringsel sind Holzarbeiten, Keramik, Schmuck, Lederwaren, Kaffee und kleine bemalte Ochsenkarren. Die Preise auf den Märkten sind etwas höher als in anderen Ländern Lateinamerikas. Geschäfte haben meist Montag bis Samstag von 9 bis 18 oder 19 Uhr geöffnet.

Kunsthandwerk der Boruca

Im Süden des Landes leben die Boruca (Brunka). Sie fertigen in langer, aufwendiger Handarbeit Masken, Tierfiguren und Webarbeiten aus natürlichen Materialien – jedes Stück ein Unikat. Die Masken werden auch beim Fest der Diablitos um den Jahreswechsel getragen. Wer sie direkt im Dorf kauft, unterstützt die Gemeinschaft mit einem wichtigen Einkommen.

Sport

Pazifik und Karibik bieten ausgezeichnete Bade- und Surfmöglichkeiten. Reiten ist fast überall möglich, die Region Barra del Colorado ist ein bekanntes Angelrevier. Bei vielen Dorffesten gibt es «Toros a la tica»: Stierspiele, bei denen der Stier nicht getötet wird und mutige Zuschauer in die Arena springen. Nationalsport und Leidenschaft ist aber der Fussball.

Veranstaltungskalender

  • Januar: Fiestas de Santa Cruz (Musik, Tanz, Stierspiele), Guanacaste; Fiestas de Alajuelita (Patronatsfest mit Umzügen)
  • Februar: Fiesta de los Diablitos in Rey Curre (Maskentänze der Boruca, Kunsthandwerk)
  • Februar/März: Nationale Orchideenausstellung (über 500 Arten), Cartago
  • März: Día del Boyero – Tag der Ochsenkarrentreiber mit Umzug bemalter Ochsenkarren, San Antonio de Escazú
  • April: Día de Juan Santamaría (11. April) mit Umzügen und Tänzen, Alajuela
  • Mai: San Isidro Labrador – Segnung von Tieren und Ernte zu Beginn der Regenzeit, San Isidro
  • Juli: Fiesta de la Virgen del Mar mit Bootsprozession und Regatten, Puntarenas; Anexión de Guanacaste (25. Juli)
  • August: Wallfahrt zur Basílica de los Ángeles in Cartago (2. August); Woche der afro-costa-ricanischen Kultur
  • September: Unabhängigkeitstag (15. September) mit Laternenumzügen am Vorabend, landesweit
  • Oktober: Karneval von Limón mit Musik, Tanz und Umzügen
  • Dezember: Festival de la Luz in San José, Fiestas de Zapote mit Stierspielen; Fiesta de los Diablitos in Boruca (Jahreswechsel)

Daten und Programme ändern sich – fragen Sie uns, wenn Sie Ihre Reise rund um ein Fest planen möchten.

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Video

Costa Rica im Film: Land und Leute

Ein Streifzug durch Costa Rica: Karibikküste, Vulkane und Nebelwald, das Leben in San José, Schulkinder, Märkte, Strände und Sonnenuntergänge am Pazifik. Dauer 6:04 Min.
Gut zu wissen

Häufige Fragen: Land & Leute

Was bedeutet «Pura Vida»?

Wörtlich «pures Leben». Die Ticos verwenden es als Gruss, als Dank und als Ausdruck ihrer gelassenen Lebensfreude.

Was isst man in Costa Rica?

Typisch sind «Gallo Pinto» (Reis mit Bohnen) zum Frühstück und der «Casado» – Reis, Bohnen, Salat, Kochbanane und Fleisch oder Fisch – am Mittag.

Wie nennen sich die Costa-Ricaner?

«Ticos» und «Ticas» – wegen ihrer Vorliebe für Verkleinerungsformen wie «chiquitico».

Welche Sprache spricht man in Costa Rica?

Spanisch. Die Ticos sprechen deutlich und eher langsam; in Touristengebieten kommt man mit Englisch gut zurecht, an der Karibikküste wird auch Kreolisch-Englisch gesprochen.

Hat Costa Rica wirklich keine Armee?

Ja. Die Armee wurde 1948 abgeschafft. Das Geld fliesst seither in Bildung, Gesundheit und Naturschutz; für die Sicherheit sorgt die Polizei.

Welche Völker leben in Costa Rica?

Die Mehrheit hat spanische oder gemischte Wurzeln. An der Karibikküste leben Nachfahren jamaikanischer Einwanderer, und acht indigene Völker wie die Bribri, Cabécar und Boruca bewahren ihre eigenen Kulturen.

Wann sind Feiertage, die man bei der Reiseplanung beachten sollte?

Vor allem die Karwoche (Semana Santa) und die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr – dann sind Strände und Hotels voll und viele Geschäfte geschlossen. Frühzeitig buchen lohnt sich.

Darf man Tiere füttern?

Nein. Füttern schadet den Tieren und ist in Nationalparks verboten. Beobachten Sie Affen, Nasenbären und Vögel aus der Distanz.

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