Kurz gesagt: Epiphyten sind Pflanzen, die auf anderen Pflanzen wachsen, ohne ihnen Nährstoffe zu entziehen. Dazu gehören Orchideen, Bromelien, Farne, Moose und Flechten. Besonders üppig sind sie im Nebelwald von Monteverde und an den Vulkanen Poás und Irazú.
Wer im Nebelwald nach oben schaut, sieht Äste, die kaum noch als Äste zu erkennen sind. Sie sind dicht bewachsen mit Moosen, Farnen, Orchideen, Bromelien und Flechten – ein hängender Garten in den Baumkronen. Diese Pflanzen heissen Epiphyten, Aufsitzerpflanzen. Sie wachsen auf anderen Pflanzen, ohne ihnen Wasser oder Nährstoffe zu entziehen. Costa Rica gehört zu den Ländern mit der grössten Vielfalt an Epiphyten weltweit.
Leben ohne Boden
Im dichten Regenwald ist es am Boden dunkel. Epiphyten lösen das Problem, indem sie oben im Licht auf den Ästen wachsen. Wasser holen sie aus Regen, Nebel und Tau, Nährstoffe aus Staub, herabfallendem Laub und Tierkot. Mit der Zeit bildet sich auf breiten Ästen eine Humusschicht, in der wiederum andere Pflanzen wurzeln. Manche Epiphyten haben Luftwurzeln mit einer schwammartigen Hülle, die Feuchtigkeit aufsaugt. Andere speichern Wasser in dicken Blättern, Knollen oder in Blattrosetten.
Keine Schmarotzer
Epiphyten werden oft mit Schmarotzern verwechselt. Doch sie zapfen den Baum nicht an, sondern nutzen ihn nur als Unterlage. Schaden entsteht höchstens durch das Gewicht: Nach starkem Regen sind bewachsene Äste so schwer, dass sie abbrechen. Eine Ausnahme ist die Würgefeige, die als Aufsitzerpflanze beginnt, ihren Wirtsbaum später aber umschlingt.
Ein Lebensraum für Tiere
Die Pflanzenpolster in den Kronen sind eigene kleine Lebensräume. In den Wassertanks der Bromelien entwickeln sich Kaulquappen, zwischen den Moosen leben Insekten, Spinnen, Würmer und Salamander. Vögel bauen Nester darin, Kolibris trinken Nektar aus den Blüten. Forscher, die Baumkronen untersuchen, entdecken dort immer wieder neue Arten.
Wo Sie Epiphyten sehen
Am üppigsten wachsen sie im Nebelwald, wo die Wolken fast ständig Feuchtigkeit bringen: in Monteverde, an den Vulkanen Poás und Irazú, im Nationalpark Braulio Carrillo und in San Gerardo de Dota. Von Hängebrücken aus sehen Sie die hängenden Gärten auf Augenhöhe. Ein Fernglas hilft, die kleinen Orchideenblüten zu entdecken.

