Kurz gesagt: Würgefeigen keimen hoch oben auf einem anderen Baum. Ihre Wurzeln wachsen zum Boden und umschlingen den Wirtsbaum, bis dieser abstirbt. Zurück bleibt oft ein hohler Stamm aus verflochtenen Wurzeln. Bekannt sind die begehbaren Würgefeigen bei Monteverde.
Die Würgefeige ist einer der ungewöhnlichsten Bäume des Regenwalds. In Costa Rica heisst sie «Matapalo», Baumtöter – und das beschreibt ihr Leben recht genau. Es gibt mehrere Feigenarten der Gattung Ficus, die auf diese Weise wachsen. Alte Würgefeigen sind riesig, ihre Stämme sind ein Gitter aus verwachsenen Wurzeln, durch das man oft hindurchsehen kann.
Ein Leben, das in der Baumkrone beginnt
Alles beginnt mit einem Vogel, einem Affen oder einer Fledermaus, die eine Feige frisst. Der Samen landet mit dem Kot auf einem Ast hoch oben in einem anderen Baum. Dort keimt er im feuchten Humus zwischen Moosen und Bromelien. Zunächst wächst die junge Feige als harmlose Aufsitzerpflanze. Doch dann schickt sie lange Luftwurzeln nach unten, die am Stamm des Wirtsbaums entlang bis zum Boden wachsen.
Die langsame Umklammerung
Sobald die Wurzeln den Boden erreichen, wächst die Feige schnell. Ihre Wurzeln verdicken sich, verwachsen miteinander und bilden ein Netz um den Stamm. Gleichzeitig breitet sich ihre Krone über der des Wirtsbaums aus und nimmt ihm das Licht. Über Jahrzehnte stirbt der Wirtsbaum ab und verrottet. Zurück bleibt ein hohler Turm aus Feigenwurzeln, der nun auf eigenen Füssen steht.
Wichtig für die Tierwelt
Würgefeigen tragen oft mehrmals im Jahr Früchte und zu unterschiedlichen Zeiten. Damit sind sie eine der wichtigsten Nahrungsquellen im Wald. Affen, Tukane, Papageien, Fledermäuse und Nasenbären versammeln sich in einer fruchtenden Feige. Die Hohlräume im Stamm bieten Unterschlupf für Fledermäuse, Schlangen und Vögel.
Wo Sie Würgefeigen sehen
Am bekanntesten sind die hohlen Würgefeigen bei Monteverde, in die man hineinsteigen und im Inneren der Wurzeln nach oben klettern kann. Eindrückliche Exemplare stehen auch im Corcovado, in Tortuguero und im Nationalpark Manuel Antonio. Ihr Guide zeigt Ihnen gern, wo vom Wirtsbaum noch Spuren zu sehen sind – und wo sich gerade eine junge Feige an einem Stamm hinunterarbeitet.


