Kurz gesagt: Das Neunbinden-Gürteltier, in Costa Rica «Cusuco» genannt, ist weit verbreitet, aber vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv. Gute Chancen haben Sie auf Nachtwanderungen, auf Lodge-Wiesen am Waldrand und in Guanacaste.
Das Neunbinden-Gürteltier (Dasypus novemcinctus) ist eines der eigenartigsten Säugetiere Costa Ricas. Sein Rücken ist von einem Panzer aus kleinen Knochenplatten bedeckt, die mit Horn überzogen sind. In der Mitte sitzen meist acht bis zehn bewegliche Bänder, die dem Tier seinen Namen geben und es beim Graben und Laufen beweglich halten. In Costa Rica heisst es «Cusuco». Obwohl es fast im ganzen Land vorkommt, bekommen es viele Reisende nie zu Gesicht – denn es ist vor allem dann unterwegs, wenn die meisten schon beim Abendessen sitzen.
Lebensweise des Gürteltiers
Gürteltiere sind Einzelgänger und vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv. Mit ihrer feinen Nase spüren sie Ameisen, Termiten, Käfer und Larven unter der Erde auf und graben sie mit den kräftigen Krallen der Vorderbeine aus. Die lange, klebrige Zunge holt die Beute aus Gängen und Nestern. Tagsüber schlafen sie in selbst gegrabenen Bauen, die mehrere Eingänge haben können. Gürteltiere sehen schlecht, hören aber gut – und sie sind erstaunlich schnell, wenn sie sich bedroht fühlen.
Eine Besonderheit ist die Fortpflanzung: Das Weibchen bringt fast immer eineiige Vierlinge zur Welt. Aus einer einzigen befruchteten Eizelle entstehen vier genetisch gleiche Junge. Ihr Panzer ist bei der Geburt noch weich und härtet erst nach einigen Wochen aus.
Kann sich das Gürteltier einrollen?
Nein – das ist ein verbreiteter Irrtum. Nur die südamerikanischen Kugelgürteltiere können sich ganz einrollen. Das Neunbinden-Gürteltier flüchtet bei Gefahr in seinen Bau oder ins Dickicht. Erschreckt springt es oft senkrecht in die Höhe. Erstaunlich ist auch, wie es Bäche überquert: Es kann einige Minuten die Luft anhalten und am Grund durchs Wasser laufen oder Luft schlucken und so an der Oberfläche schwimmen.
Wo Sie Gürteltiere in Costa Rica sehen
Gürteltiere leben im Tiefland beider Küsten und in mittleren Höhenlagen, in Wäldern, Buschland und an Waldrändern. Gute Chancen haben Sie im trockenen Nordwesten, etwa im Nationalpark Santa Rosa in Guanacaste, rund um den Vulkan Arenal und im Regenwald des Corcovado. Am häufigsten zeigen sie sich auf geführten Nachtwanderungen und auf den Wiesen am Waldrand rund um Lodges, wenn es dunkel wird.
Halten Sie Abstand, leuchten Sie dem Tier nicht direkt ins Gesicht und fassen Sie es nicht an. Gürteltiere können Krankheitserreger übertragen, und als Wildtiere stehen sie unter Schutz. Auf den Strassen fallen viele Tiere dem nächtlichen Verkehr zum Opfer – fahren Sie in der Dämmerung deshalb besonders aufmerksam.
Weitere Gürteltier-Art
Neben dem Neunbinden-Gürteltier lebt in Costa Rica auch das Nördliche Nacktschwanz-Gürteltier (Cabassous centralis). Es ist kleiner, hat einen fast unbepanzerten Schwanz und verbringt noch mehr Zeit unter der Erde. Es wird nur selten beobachtet.


